Montag, 30. Mai 2016

Stopped being me

Nein, ich habe nicht genug Projekte.
Und nein, ich kann zur Zeit nichts fluffig-nettes schreiben, so sehr ich es auch versuche.
Statt dessen mache ich erste Gehversuche in einem für mich neuen Fandom. Captain America? Von mir, die ich Superhelden bekanntlich nicht ausstehen kann?
Und dann auch noch Mr. Hurra-Patriotismus-und-Everybodies-Darling? Ich glaube, wenn ich mit ihm fertig bin, werdet ihr ihn hassen. Oder doch eher mich. Zumindest ein Bisschen.
Wie ich darauf komme?
Na ja... mein neues Machwerk "Stopped being me" ist reichlich gemein und eine Reaktion auf folgendes Fundstück: diesen Prompt.
"SHIELD's brutal post-Winter Soldier debriefing breaks Bucky's mind, and Steve leaves to care for him. He misses saving the world sometimes, but not enough to leave Bucky's side -- not enough to go back to the organization that did this to him."

Anbei eine kleine Leseprobe.

Disclaimer as usual: mir gehören weder die erwähnten Personen/Organisationen, noch mache ich in irgendeiner Weise Geld mit meinem Geschreibsel. Punkt.

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I stopped being 'me' such a long time ago...“


Wieder einmal sind es Buckys heisere, verzweifelte Schreie, die mich aus dem Schlaf reißen.
Mittlerweile ist es Routine für mich, noch etwas benommen den Flur entlangzustolpern und vorsichtig an die Tür zu klopfen, die mich noch von dem trennt, was ich eigentlich nicht sehen will.
Im selben Moment hasse ich mich für diesen letzten Gedanken, so wie jedes Mal. Es ist nicht Buckys Schuld. Es. Ist. Nicht. Buckys. Schuld.
So sehr ich mir das auch einrede, so sehr Mitgefühl und Trauer um meinen besten Freund mir auch das Herz zerreißen, ein kleiner Teil von mir verachtet dieses geschundene, zerbrochene Wesen jenseits der Tür für seine Schwäche. Ja, auch Captain America hat seine dunklen Seiten, und ich schäme mich dafür. Die einzige Möglichkeit, für diese unangebrachten, verabscheuungswürdigen Gedanken Buße zu tun ist, mich um das zu kümmern, was SHIELD von dem Mann übriggelassen hat, der einmal James Buchanan Barnes gewesen ist.
„Buck? Ich komme jetzt rein, okay?“
Totenstille. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das wirklich als gutes Zeichen werten sollte. Zumindest schreit er nicht mehr...
Sehr vorsichtig öffne ich die Tür, kann mich doch dahinter ein Mann jenseits der Grenze zum Wahnsinn erwarten, der mich unter Aufbietung aller Kräfte seines ruinierten Körpers und voller verzweifelter Angst angreift, um sich gegen Gefahren zu verteidigen, die nur in seinem Kopf existieren.
Nein, weder Hydra noch SHIELD stellen länger eine Bedrohung für den ehemaligen „Winter Soldier“ dar. Keine Organisation der Welt hätte noch Verwendung für ihn.
Ein zerrütteter, von Furcht zerfressener Geist in einem geschwächten, zerstörten Leib ist alles, was sie von ihm übriggelassen haben. Und mir obliegt es nun, über diesen Schatten einer Erinnerung zu wachen, ihn zu pflegen und seine Dämonen in Schach zu halten.
Wenn ich nicht schlafen kann (was häufiger vorkommt, seit man Bucky einfach vor meiner Tür abgeladen hat - und ja, ich musste allen Ernstes eine Empfangsbestätigung unterschreiben), geistert mir wieder und wieder Anthony Starks erbarmungslose Bemerkung im Kopf herum: „Den kannst du doch nur noch einschläfern lassen. Es wäre eine Gnade für ihn.“
Nicht, dass dieses Angebot - verpackt in freundlichen Euphemismen - nicht auch schon von Seiten SHIELDs an mich herangetragen worden wäre.
'Einschläfern', als wäre er nicht mehr als ein Tier. Und genau das ist er wohl für sie: ein tollwütiges Tier. Eine defekte Waffe.
„Bucky?“
Dieses Mal werde ich nicht mit einem nahezu animalischen Knurren angefallen; er hat sich auch nicht, wie er es öfter tut, unter der Bettdecke verkrochen. Zögernd trete ich einige Schritte in den von beruhigendem Dämmerlicht ausgestrahlten Raum; ein beißender Geruch schlägt mir entgegen.
Er hat sich erbrochen, wieder einmal. Erneut gratuliere ich mir dazu, mich damals gegen Teppichboden und für Fliesen entschieden zu haben.
„Hey...“
Er sitzt zusammengekauert in der Ecke, den Kopf auf den Knien, die Arme um seine angezogenen Beine geschlungen, neben sich eine Pfütze seines Mageninhaltes.
„Hey, Bucky.“ Etwas von meiner unwillkürlich aufkommenden Gereiztheit (Und wer darf die Sauerei jetzt wieder beseitigen?) klingt wohl auch in meiner Stimme mit, denn er zuckt wie unter einem Schlag zusammen und versucht, sich womöglich noch kleiner zu machen(...)

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